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Stellungnahme eines Handwerksmeisters und eines Architekten zum Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses

Aufgrund der besonderen Lage an der Schillerwiese, der überragenden denkmalgeschichtlichen Bedeutung und Größe des Denkmals,  in Verbindung mit der als Park zu bezeichnenden Außenanlagen und den Möglichkeiten der Nutzung des Gesamtkomplexes verbietet es sich aus unserer Sicht, das Gebäude an private Investoren zu verkaufen.

 

Begründung:

 

1. Das bisher größtenteils als Studentenwohnheim genutzte Nebengebäude mit einer Gesamtnutzfläche von ca. 1550 m² lässt sich aus unserer Sicht mit überschaubaren Investitionskosten von etwa 1,7 Mil. € zu günstigen Mietwohnungen und Unterkünften für Studenten, Schüler, Auszubildende und Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen umbauen. Hier ist der Bedarf in der Stadt riesig!       

Die Haustechnik, Heizung und Abwassersysteme müssen saniert werden, eine energetische Sanierung ist in Teilbereichen notwendig. Diese Maßnahmen lassen sich im Low Budget für ca. 1.000,00 €/m² realisieren. Legt man noch 1 Mill € als fiktiven Kaufpreis für diesen Teil zugrunde, würden das Kosten von 2,7 Mill € bedeuten. Bei Zinsen und Tilgung von jährlich 4% kommen wir in unserer Berechnung auf einen Mietpreis von ca. 6,00 €/m²/Monat. Günstigeren Wohnraum kann man z.Zt. kaum schaffen!

2. Das unter Denkmalschutz stehende Hauptgebäude bietet aus unserer Sicht viele spannende Möglichkeiten für die Stadt. Durch leichte Einbauten, die sich klar zur historischen Konstruktion abgrenzen, lassen sich Räume für vielfältige Zwecke schaffen. Hier lassen sich Moderne und denkmalgeschützter Gebäudebestand für zukünftige Nutzungen auch innen erlebbar machen. Gerade wird ja die Diskussion um das Stadtarchiv geführt, hier bietet sich die Möglichkeit es sinnvoll unterzubringen, kombiniert mit z. B. Veranstaltungs-­ oder Seminarräumen. Wir haben einige Ideen dazu, und  sicher gibt es auch noch andere Menschen mit Ideen. Ein Ideenwettbewerb könnte eine Überlegung sein. Man sollte auf keinen Fall die Entscheidung „übers Knie brechen“ und mit dem Verkauf endgültige Tatsachen schaffen. Auch in Räume, die für das Archiv angemietet werden müssen, wird man in den Umbau investieren, warum dann nicht in die eigenen, auch wenn das im ersten Moment teurer erscheint, aber langfristig sicher viel günstiger ist.

3. Dann gibt es noch ein großes Freigelände. Ein Teil dieses Geländes lässt sich sicher für eine Neubebauung nutzen, ohne dass das gesamte Ambiente zerstört wird. Auch hier ist Fantasie gefragt und nicht schnelle Entscheidungen nach alten Mustern – die öffentliche Hand verkauft ihr Tafelsilber.

4. Und es gibt für uns noch einen ganz wichtigen Aspekt: Z.Zt werden die Probleme in den Städten durch eine Gettoisierung über bezahlbaren oder nichtbezahlbaren Wohnraum immer größer, die Diskussion, wie diese Entwicklung gestoppt werden kann, wird immer breiter, da es zu riesigen Problemen in den Städten führen wird.

Der Standort des ehemaligen Goetheinstituts bietet aus unserer Sicht eine für Göttingen herausragende Möglichkeit, dieser Entwicklung ein positives Beispiel entgegen zu setzen. In einem sehr hochpreisigen Wohngebiet sehr günstigen Wohnraum zu schaffen, auf einem Gesamtareal mit öffentlichen Einrichtungen und Neubauten im mittleren Preissegment, befördert die Wohndurchmischung verschiedener sozialer Schichten. Dieses bietet die Chance zu mehr Verständnis und gegenseitigem Respekt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten:

Das Fridtjof-Nansen-Hauses ist aus unserer Sicht ein Komplex von herausragender kommunaler Bedeutung sowohl städtebaulich, gebäudehistorisch als auch sozial. Es bietet vielfältige Möglichkeiten für die Stadtentwicklung. Daher sollte dieses Haus auf jeden Fall in Besitz und Nutzung der Stadt bleiben, um kurz- und mittelfristig die Chancen, die es für die Öffentlichkeit bietet, nutzen zu können.

Da wir die derzeitige Lage des Neubaumarktes kennen, führt eine geschätzte Einnahme zwischen 4 und 5 Mio. € beim Verkauf des Fridtjof-Nansen-Hauses eben auch nur zu max. 2000m² neu errichteter Wohnungen. Das Fridtjof-Nansen-Haus weist davon bereits 1.550 m² im Anbau auf!

Eine kurze Anmerkung zu uns:

Wir, Jupp Wessling und Bernhard Kilper, sind beide seit Jahrzehnten im Bau- und Planungsgeschehen mit dem Schwerpunkt Altbausanierung tätig.

Jupp Wessling ist Tischlermeister mit eigener Bautischlerei und ebenfalls viel Erfahrung in der Projektbetreuung und Bauleitung von Sanierungsvorhaben.

Bernhard Kilper ist Architekt, Sachverständiger und Baubiologe mit eigenem Architekturbüro und Arbeitsschwerpunkt in der Sanierung von Bestandsgebäuden und Denkmälern.